Sicherheit & Risikobewusstsein
BDSM kann intensiv, aufregend und erfüllend sein – aber es birgt auch Risiken. Verantwortungsvolles Spielen bedeutet, diese Risiken zu kennen, ehrlich zu bewerten und gezielt zu minimieren. Hier findest du die wichtigsten Sicherheitsgrundsätze.
Allgemeine Sicherheitsregeln
- Nüchternheit – Kein BDSM unter Einfluss von Alkohol oder Drogen. Urteilsvermögen und Schmerzempfinden werden beeinträchtigt.
- Safeword immer vereinbaren – Auch bei langjährigen Partnern, auch bei „leichten“ Szenen.
- Erste-Hilfe-Wissen – Grundkenntnisse in Erster Hilfe sind Pflicht. Eine Verbandsschere sollte immer griffbereit sein.
- Nie allein mit Fremden – Beim ersten Treffen mit neuen Spielpartnern: öffentlicher Ort, Vertrauensperson informieren.
- Informiere dich – Bevor du eine neue Praktik ausprobierst, lies dich ein, besuche Workshops oder frag erfahrene Menschen.
Bondage-Sicherheit
Wichtige Regeln
- Immer eine Verbandsschere oder Sicherheitsschere griffbereit haben
- Niemals die gefesselte Person allein lassen
- Durchblutung regelmäßig prüfen (Finger/Zehen: Farbe, Temperatur, Gefühl)
- Fesselungen am Hals sind lebensgefährlich – absolutes Tabu für Anfänger
- Nervenverläufe kennen: Handgelenke, Ellenbogen-Innenseite und Achselhöhle meiden
- Hängebondage (Suspension) nur mit professioneller Anleitung
Gutes Material
- Juteseile – Klassiker im Shibari, angenehm auf der Haut
- Baumwollseile – Weicher, gut für Einsteiger
- Bondage-Tape – Klebt nur an sich selbst, keine Hautirritation
- Leder-Manschetten – Schnell anzulegen, gepolstert, sicher
- Keine Kabelbinder, Draht oder dünne Schnüre – Verletzungsgefahr!
Impact Play (Schlagspiel)
Beim Impact Play – also Schlagen mit Hand, Paddel, Flogger oder Rohrstock – gilt:
- Sichere Zonen: Gesäß, Oberschenkel-Rückseite (fleischige Bereiche)
- Tabu-Zonen: Nieren, Wirbelsäule, Nacken, Gelenke, Steibein
- Langsam steigern – nie kalt beginnen
- Haut vorher und nachher kontrollieren
- Bei blauen Flecken: Kühlen, Arnika, Pause einlegen
Psychische Sicherheit
Nicht alle Risiken sind körperlich. BDSM kann tiefe Emotionen auslösen:
- Sub-Drop – Nach einer Szene können Endorphine abfallen und zu Traurigkeit, Leere oder Angst führen. Aftercare ist essenziell.
- Dom-Drop – Auch die dominante Seite kann sich schuldig, unsicher oder emotional überwältigt fühlen.
- Trigger – Bestimmte Praktiken können unerwartete Erinnerungen oder Reaktionen auslösen. Offene Kommunikation ist der Schlüssel.
- Grenzen verschieben sich – Was gestern okay war, kann heute zu viel sein. Konsens muss immer aktuell sein.
Notfall-Checkliste
Immer griffbereit haben:
- Verbandsschere / EMT-Schere
- Handy (Notruf 112)
- Wasser und Snacks (Traubenzucker)
- Decke
- Erste-Hilfe-Set
- Taschenlampe (bei Stromausfall)
Im Zweifel gilt immer: Lieber einmal zu vorsichtig als einmal zu leichtsinnig. Es gibt keine Szene, die es wert ist, die Gesundheit oder das Vertrauen eines Menschen zu riskieren.
Wenn etwas schiefgeht: Sofort aufhören, Situation stabilisieren, bei Bedarf professionelle Hilfe holen. Sich Hilfe zu holen ist kein Versagen – es ist Verantwortung.